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Oktober2026

Dies ist ein Herbsttag

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

Wenn die Rosen ewig blühten

Wenn die Rosen ewig blühten,
Die man nicht vom Stock gebrochen,
Würden sich die Mädchen hüten,
Wenn die Bursche nächtlich pochen.
Aber, da der Sturm vernichtet,
Was die Finger übrigließen,
Fühlen sie sich nicht verpflichtet,
Ihre Kammern zu verschließen.

Christian Friedrich Hebbel (1813-1863)

Von Hebbel, er war ein Womanizer, wie er im Buche steht, ist die schöne Anekdote, dass eine Gräfin
ihn fragte: „Herr Hebbel, bitte heiraten Sie mich!“ – Antwort: „gnädige Frau, wie soll das gehen, Sie sind
doch verheiratet!“ Darauf die Gräfin: „ein Wort von Ihnen und ich bin morgen Witwe!“

Liebe Patientinnen und Patienten,

Christian Friedrich Hebbel wohnte einst in Heidelberg in der Unteren Straße, da wo heute die Destille ist und von ihm ist das treffende Wort:
„Mancher findet nur darum ein Haar in jeder Suppe, weil er das Haupt beständig schüttelt!“

Die einleitenden Herbstgedichte stammen von ihm. Hoffen wir also auf den Wettergott, dass er uns die entsprechenden Tage dazu schenkt. Während der Schulferien in Baden-Württemberg bleibt unsere Praxis geschlossen, also vom 26. bis 30. Oktober. Danach sind wir wieder wie gewohnt für Sie da. 

Es grüßen Sie herzlich

Verena Jung, Christoph Jung, Dieter Jung und das gesamte Praxisteam

Zum Oktober

Über das spitzbübige Vergnügen, dass das Paradies der Braut vom trauenden Pfarrer schon gründlich durchmessen war, hat sich der Teufel so gefreut, dass er einen Luftschlenker um den Turm von St. Lamberti in Düsseldorf machte, der seitdem verdreht ist.

Genauso hämisch lachte der Teufel und verdrehte die Bäume auf der Kohlhofwiese bei der Posseltslust in Heidelberg, als er sah, dass unsere  Biofreaks industriell hergestellten „Bio“-Joghurt aßen und die schönsten Äpfel (Fallobst wie im Hebbel-Gedicht) den Wespen und Amseln zur Freude überlassen. 

02

Highdelberg

Am 22. Mai 1693 wurde Heidelberg von den Franzosen nahezu vollständig niedergebrannt. Fast sämtliche Häuser wurden zerstört. Eine Ausnahme bildete das Hotel zum Ritter, das vollständig aus Stein gebaut war. Halten wir deshalb einmal kurz inne in Erinnerung daran, die der französische König Ludwig XIV mit der Prägung einer Münze (Heidelberg deleta) feierte, hier ein Flugblatt aus jener Zeit. Solche schnell zu druckenden Flugblätter wie dieses wirkten wir heute das Internet

Ein anderes wichtiges Oktober-Datum liegt allerdings noch etwas weiter zurück: Am 19. Oktober 1386 wurde die Universität Heidelberg feierlich eröffnet. Sie ist damit die älteste Universität auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands.

Und jetzt stehen an der Bushaltestelle Oberer Fauler Pelz plötzlich Blüten, die zunächst an sehr große Krokusse erinnern. Was blüht denn da? Es ist die Herbstzeitlose, lateinisch Colchicum. Ihre Blüte erscheint im Herbst, also zu einer Zeit, in der man eher mit dem Ende der Vegetationsperiode rechnet. Die Pflanze enthält Colchicin. Dieser Giftstoff wird medizinisch genutzt, insbesondere zur Behandlung der Gicht.

Unser lieber Nepomuk

Egal, von welcher Seite man ihn anschaut: Immer sieht man die fünf Sterne – obwohl, die Statue hat sieben! Aber unser Auge erfasst immer nur 5 für die fünf Anfangsbuchstaben des Wortes TACUI = (lat.) „Ich habe geschwiegen.“

Die Frau des Königs hatte ihm einen Seitensprung gebeichtet, aber er verriet dem König nicht, mit wem. Deshalb wurde ihm die Zunge abgeschnitten und er in der Moldau ertränkt. Tja, so wird man heilig und steht jetzt auf jeder Brücke.

Medizyn

Calisthenics: Das neue Wort

Kürzlich neu gelernt habe ich, was Calisthenics ist: eine Form des Krafttrainings, bei der fast ausschließlich das eigene Körpergewicht zum Einsatz kommt. Zu den Grundübungen gehören Liegestütze, Klimmzüge, Kniebeugen und Planks. Trainiert wird häufig draußen an Stangen, Barren oder Ringen. Dabei lassen sich die Übungen so variieren, dass sie sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene geeignet sind. Das Wort Calisthenics, im Deutschen auch Kalisthenie, setzt sich aus den altgriechischen Wörtern kállos (κάλλος) für „Schönheit“ und sthénos (σθένος) für „Kraft“ zusammen. Wörtlich bedeutet Calisthenics also „schöne Kraft“. Gemeint ist eine Form des Trainings, bei der Kraft, Körperbeherrschung und Bewegung miteinander verbunden werden und die Übungen kontrolliert und ästhetisch aussehen. Besonders deutlich wird das bei anspruchsvollen Übungen wie dem Handstand oder der Human Flag.

Die Wurzeln reichen bis in die griechische Antike zurück. Körperliche Ertüchtigung mit dem eigenen Körpergewicht spielte bereits damals eine wichtige Rolle. Später wurde daraus Turnen und Gymnastik. Das moderne Calisthenics beziehungsweise Street Workout entwickelte sich vor allem seit den 2000er- Jahren und verbreitete sich über öffentliche Anlagen, YouTube und soziale Medien. In Heidelberg gibt es inzwischen mehrere frei zugängliche Calisthenics-Anlagen, unter anderem in der Bahnstadt an der Marie-Baum-Straße sowie in der Südstadt an der Rheinstraße und an der Mark-Twain-Straße. Der berühmte Astronomie-Professor K. Heng an der LMU München redete neulich in einem Interview über ferne Sterne auch über seine Freude an der Ästhetik und Präzision und Kontrolle bei Calisthenics. Calisthenics das war für mich ein „Kannitverstaan“ Wort. Zwar kann ich kalipygos, (griechisch: „schöner Hintern“ -, ein Beinamen der Aphrodite, der sich auf ihre wunderbaren Pobacken bezieht.

Dass sich ein so smarter Astrophysiker gleichermaßen für Kunst, Literatur und Mode begeistern kann, fand ich faszinierend. Und plötzlich spricht er über Liegestütze. Genauer: über Calisthenics, Körpergewichtstraining, Disziplin und Bewegungsabläufe. Heng erzählt mit jugendlicher Begeisterung davon, wie sehr ihn diese Form des Trainings voranbringt. Es geht um Muskelmasse und Ästhetik, um Präzision und Kontrolle. „Alles dreht sich darum, den eigenen Körper wirklich zu verstehen“, sagt er. Calisthenics? Dieses „Kannitverstan-Wort“ hat mich sofort gereizt. Denn irgendwie kam es mir bekannt vor: Kallipygos, die „Schönhüftige“ – ein Beiname der Aphrodite, der sich auf ihre schönen Gesäßformen bezieht.

Und plötzlich steckt auch in Calisthenics etwas Vertrautes: Schönheit und Kraft. Keine Muckibude, kein Fitnesscenter. Sondern den eigenen Körper als Trainingsgerät nutzen, ihn beherrschen und dabei erleben, was er leisten kann.

11

Kaffeetrinken ist Kopfsache

Dem stimme ich rückhaltlos zu und beherzige es auch selbst. Und eins vorneweg: Die Idee, dass Kaffee Herzklopfen und Schlaflosigkeit verursacht, gilt im Sinne der Self-fulfilling Prophecy nur, wenn man weiß, dass man einen starken Kaffee getrunken hat. Naja, und zuckerfrei muss er sein. Und vor allem: keine Milch drin.

English

Cartoons

Pretzel with noodles?

Let’s take a look at some of the words borrowed from German; you will see that some of them are more obvious than others. One of my personal favourites is muesli, which derives from the Swiss German Müsli. Other foodie words borrowed from German are pretzel and noodle. Everybody knows that ‘pretzel’ is originally German, but while any German will know what you mean when you ask for a ‘pretzel’, the German standard spelling is actually Brezel. In Bavaria and Austria however, you would call them Brezn, and to make it even more complicated, there are other regional variations like Brezl and Breze. I would claim that the origin of the word ‘noodle’ is less obviously German. It did however enter the English language in the late 18th century via the German Nudel. Unfortunately, the origin of the German word is unknown.

A more classic example would be wunderkind. It is a term that is fairly easy to translate: Wunder = ‘wonder’ + Kind = child. Still, for some reason we say ‘wunderkind’ and not ‘wonderchild’. Other frequently used words borrowed from German include the very useful schadenfreude, the pleasure derived from another person’s misfortune; weltschmerz, a feeling of melancholy and world-weariness; and zeitgeist, which is the defining spirit or mood of a period in history as reflected by the ideas and beliefs of the time.

Not to be ignored are more recent borrowings from the 20th century, reflecting the traumatizing experience of the Second World War, with German loanwords like führer, now more generally used to describe a tyrannical leader, or blitzkrieg (literally ‘lightning war’), which is an intense military campaign intended to bring about a swift (in other words, as fast as lightning) victory.

These are only a few examples and, of course, any language could be looked at in depth. Even if you think that a word is undoubtedly English, a closer look at the etymology may surprise you. Anyone studying a foreign language will have found themselves in a situation where they could think of a word in their mother tongue that exactly describes a situation or concept, but for which there just isn’t an appropriate translation. Therefore, let me end with three German words that are my top contenders for eventually forming part of the rich English vocabulary:

1. Fernweh – This is basically the same as ‘wanderlust’ but has a less old-fashioned ring to it.

2. Feierabend – literally ‘party evening’ – the time when you finish work (Feierabend machen) as well as the rest of the evening after you’ve left work. It’s also used colloquially to say I’ve had enough / enough of this: Jetzt ist aber Feierabend!

3. Fachidiot – A ‘subject idiot’ – someone who knows an awful lot about one subject but doesn’t really have any capabilities outside of this particular area.

Post Scriptum

Gesichtserkennung ist überall

Gesichtserkennung, das ist doch alt. Und jeder, der Deutschlands Grenzen überschritten hat, ist nach dem Wiedereintritt mit Gesicht und Adresse registriert. Was ich nicht wusste: Selbst der liebe grüne, schöne deutsche Wald ist offenbar keine Gegend ohne Gesichtserkennung. Um jeden Hochsitz baut jetzt jeder Jagdpächter für 50 Euro eine Rundumkamera auf, die auf 500 Meter jedes Wildschwein, aber auch jedes Liebespaar erfasst und per Gesichtserkennung registriert.

Auch viele der Tech-Giganten haben in die Gesichtserkennung investiert und sie jetzt auch mit Tools

zur Emotionserkennung erweitert. Amazon zum Beispiel gab bekannt, dass sein System „Rekognition“ sieben Emotionen genauer identifizieren könne: „glücklich“, „traurig“, „wütend“, „überrascht“, „ekelhaft“, „beruhigt“ und „verwirrt“. Später kam noch eine achte Emotion, die Amazon im Gesicht automatisch erkennen kann hinzu: „Angst“.

HILFE! WAS AHNEN DIE DENN VORAUS, DASS DER GESICHTSAUSDRUCK „ANGST“ JETZT OFFIZIELL

ERKANNT WERDEN MUSS?

Rekognition hat ein breites Spektrum an Kunden, von TikTok-Plattformen bis hin zu Kreditauskunfteien. Amazon versuchte einmal, seine Dienstleistungen an die Einwanderungs- und Zollbehörden zu verkaufen, obwohl sich ICE für ein konkurrierendes Unternehmen, Clearview AI, entschied, das weniger an Emotionen als an schlichter Identifikation interessiert ist. Clearview kratzt Gesichtsdaten in großem Maßstab aus dem Internet. Bis heute soll das Unternehmen zehn Milliarden Gesichter erfasst haben. WAHNSINN! Da kann man eben nur eine lange Nase machen.

Bislang habe ich KI genutzt oder darüber gelacht. Aber so ein bisschen sind mir Zweifel gekommen, als in einem vornehmen Hotel im Pfälzer Wald ein, wie ein Abstelltisch aussehender Computer zwischen den Gästen herumrollte und darum bat, dass man das Geschirr auf ihm abstelle. Er würde es gleich in den nächsten Gang bringen. Ich bin ihm dann hinterhergelaufen und habe mich frech in den Weg gestellt, woraufhin er einen anderen Weg nahm und „Entschuldigung“ sagte.

Im Hinterkopf dachte ich: Das ist ganz leicht möglich. Vielleicht hat er ein Gesichtserkennungsprogramm und wird jetzt auf meinem Handy alles langsamer schalten, denn ich hatte mich ja mit dem Handy ins Hotel-WLAN eingeloggt. Frankenstein und Golem waren für mich bisher Literatur und Märchen. Jetzt sind sie vielleicht sehr frühe Warnzeichen.

Erstaunlich, wie viel ich jetzt schon KI nutze, nachdem sie mir erst vor einem Jahr als Werkzeug zugeführt wurde. Und wenig erstaunlich: Wie wir damals in unserer Jugend Angst vor einem Atomschlag hatten, befürchten wir jetzt einen KI-Schlag.

In der Süddeutschen vom 29. August 2026 warnt Bill Gates, die Gesellschaften seien auf die Geschwindigkeit der anstehenden Umbrüche nicht vorbereitet: auf den Verlust von Arbeitsplätzen, die rasant wachsenden Möglichkeiten, Cyberangriffe zu führen, Biowaffen herzustellen und Menschen in die Irre zu führen. Die Branche beschäftigt aber vor allem noch eine weitere Befürchtung: Eines der selbstlernenden Systeme könnte sich der menschlichen Kontrolle entziehen, heimlich eigene Ziele verfolgen und dann nicht mehr einzufangen sein.

Es ist Zeit, über die Risiken autonomer Systeme zu reden. Und darüber, warum es so schwer ist, über sie zu reden.

Die verlorene Perle

Die berühmte Parabel von der verlorenen Perle stammt aus den Schriften des daoistischen Meisters Tschuang-tse und wird auch im Zen-Buddhismus gerne erzählt. Als der Gelbe Kaiser seine kostbare Perle verliert, schickt er nacheinander die Weitsicht, die Umsicht und die Rücksicht los. Doch keine von ihnen findet die Perle. Erst als er die Absichtslosigkeit schickt, wird die Perle sofort gefunden.

Wir finden Langlebigkeit und Glück nicht, indem wir ihnen nachjagen, sondern indem wir nach etwas anderem suchen als nach Glück und Langlebigkeit.

Schlussgedanken

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!

Und geht es draußen noch so toll,
Unchristlich oder christlich,
Ist doch die Welt, die schöne Welt,
So gänzlich unverwüstlich!

Und wimmert auch einmal das Herz –
Stoß an und laß es klingen!
Wir wissen’s doch, ein rechtes Herz
Ist gar nicht umzubringen.

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!

Wohl ist es Herbst; doch warte nur,
Doch warte nur ein Weilchen!
Der Frühling kommt, der Himmel lacht,
Es steht die Welt in Veilchen.

Die blauen Tage brechen an,
Und ehe sie verfließen,
Wir wollen sie, mein wackrer Freund,
Genießen, ja genießen!

Theodor Storm (1817–1888)