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Sept2026

September 2026

Hälfte des Lebens (1805)

Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehm ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein
Und den Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.


Friedrich Hölderlin
(1770 – 1843)

Wenn die Sonne weggegangen (1805)

Wenn die Sonne weggegangen
Kommt die Dunkelheit heran:
Abendrot hat goldne Wangen,
Und die Nacht hat Trauer an.

Seit die Liebe weggegangen,
Bin ich nun ein Mohrenkind;
Und die roten frohen Wangen
Dunkel und verloren sind.

Dunkelheit muß tief verschweigen
Alles Wehe, alle Lust,
Aber Mond und Sterne zeigen,
Was mir wohnet in der Brust.

Wenn die Lippen dir verschweigen
Meines Herzens stille Glut
Müssen Blicke und Tränen zeigen,
Wie die Liebe immer ruht.

Clemens von Brentano
(1778 – 1842)

Liebe Patientinnen und Patienten,

wir begrüßen Sie nach der Sommerpause wieder herzlich in unserer Praxis und hoffen, dass Sie einen schönen Urlaub hatten. Jetzt kommt der September: noch goldene Sonne, aber auch schon früh dunkel. Dieser neunte Monat ist für mich so richtig die Hälfte des Jahres: Wir spüren den Sommer noch auf der Haut und doch drückt uns schon der morgendliche Lichtmangel.

Und damit wir nicht gleich wieder voller Stress in den Herbst starten, beginnt am Dienstag, den 22. September, um 18:30 Uhr wieder unser Autogenes Training. Das ist kein Schlafkurs! Erhöhen Sie Ihre Lebensenergie und fahren Sie mit uns schwungvoll in den Herbst. Noch sind Plätze frei. Zum Anmelden bitte vorher kurz bei uns vorbeikommen oder telefonisch unter 0175-2060123.

Es grüßen Sie herzlich

Verena Jung, Christoph Jung, Dieter Jung und das gesamte Praxisteam

Zum September

 Vorsicht bei Geschenken

Timeo Danaos et dona ferentes“ heißt es in Vergils Aeneis. Wörtlich: „Ich fürchte die Danaer (Griechen), auch wenn sie Geschenke bringen.“

Zwei Reiseerlebnisse möchten wir Ihnen dennoch schenken. Beide beginnen mit einem fröhlichen Brief: „Sie haben gewonnen!“ Im ersten heißt es: „Lieber Empfänger, Sie sind der glückliche Gewinner einer TRAUMREISE! Wir freuen uns mit Ihnen. Und unten angeklebt finden Sie die dazugehörige Schlaftablette.“

Noch lehrreicher: Ein Ehepaar gewinnt eine Übernachtung im Schweizer Luxushotel Ritz-carlton am Genfersee, inklusive Abendessen. Fröhlich fährt das Paar hin und wird schon am Tor empfangen: „Willkommen, für Sie ist Zimmer 13 bereit. Bitte geben Sie mir Ihren Autoschlüssel. Wir parken den Wagen und tragen die Koffer hoch.“

Screenshot

Ja, da staunt der Gast. Das ist wirklich mal ein Luxushotel! Stolz geht man zur Rezeption. Dort schüttelt man nur den Kopf: „Wir verschenken keine Reisen.“ „Aber Ihr Liftboy hat doch gerade unseren Wagen entgegengenommen?“ „Liftboy? So etwas haben wir schon lange nicht mehr.“ Langsam dämmert es den Beschenkten: Sie sind auf eine Finte hereingefallen. Wagen und Gepäck sind längst im Osten. 

In der Nachsaison im September kommt ein zweiter Brief vom Hotel. Der chef entschuldigt sich und bietet eine kostenlose Übernachtung als Entschädigung an. Diesmal reist das Ehepaar glücklich mit dem Zug an. An der Rezeption wieder fassungsloses Kopfschütteln: „Wir verschenken keine Übernachtungen.“ Erneute tränenreiche Heimreise. Zu Hause schwingt die Haustür im Wind: Einbruch während der Abwesenheit, alles ausgeraubt!

Also: Vorsicht bei Geschenken!

Oder, auf Deutsch gereimt: „Nimmst du keine Geschenke, behältst du freie Gelenke!

 Viermal literarische Blüten mit trockenem Humor

Der Hochsommer hat die Felder und Büsche längst trocken werden lassen. Und doch blüht am Wegesrand unbeirrt die Wegwarte blau und schön. Ich bewundere diese Pflanze dafür, dass sie selbst in der größten Hitze ihren Platz findet. 

Der Humor von Busch ist ebenso trocken, treffend und schmerzhaft schön.

Wie schad, daß ich kein Pfaffe bin.
Das wäre so mein Fach.
Ich bummelte durch’s Leben hin
Und dächt‘ nicht weiter nach.

Mich plagte nicht des Grübelns Qual,
Der dumme Seelenzwist,
Ich wüßte ein für allemal,
Was an der Sache ist.

Und weil mich denn kein Teufel stört,
So schlief ich recht gesund,
Und wohlgenährt und hochverehrt
Und würde kugelrund.

Käm dann die böse Fastenzeit,
So wär ich fest dabei,
Bis ich mich elend abkasteit
Mit Lachs und Hühnerei.

Und dich, du süßes Mägdelein,
Das gern zur Beichte geht,
Dich nähm ich dann so ganz allein
Gehörig in’s Gebet.

Es ging der fromme Herr Kaplan,
Nachdem er bereits viel Gutes gethan,
In stiller Betrachtung der schönen Natur
Einst zur Erholung durch die Flur.

Und als er kam an den Waldessaum,
Da rief der Kuckuck lustig vom Baum:
Wünsch guten Abend, Herr Kollege!
Der Storch dagegen, nicht weit vom Wege,

Steigt in der Wiese auf und ab
Und spricht verdrießlich: Plapperapapp!
Gäb’s lauter Pfaffen lobesam,
Ich wäre längst schon flügellahm!

Man sieht, daß selbst der frömmste Mann
Nicht allen Leuten gefallen kann.

Die Liebe war nicht geringe
Sie wurden ordentlich blaß;
Sie sagten sich tausend Dinge
Und wußten noch immer was.

Sie mußten sich lange quälen,
Doch schließlich kam’s dazu,
Daß sie sich konnten vermählen.
Jetzt haben die Seelen Ruh.

Bei eines Strumpfes Bereitung
Sitzt sie im Morgenhabit;
Er liest in der Kölnischen Zeitung
Und theilt ihr das Nöthige mit.

Der alte Förster Püsterich
Der ging nach langer Pause
Mal wieder auf den Schnepfenstrich
Und brachte auch eine nach Hause.

Als er sie nun gebraten hätt,
Da thät ihn was verdreußen;
Das Thierlein roch wie sonst so nett,
Nur konnt er’s nicht recht mehr beißen.

Ach ja! so seufzt er wehgemuth
Und wischt sich ab die Thräne,
Die Nase wär so weit noch gut,
Nur bloss, es fehlen die Zähne.

So werden die Badener auch scherzhaft genannt, weil die badische Flagge unten Gelb zeigt. Siehe die Flagge auf dem Heidelberger Schloss. Ja, Achtung: Das ist nicht die Flagge von Borussia Dortmund, auch wenn sich beide auf den ersten Blick ähnlichsehen.

Für die Sichtung eines anderen Gelbfüßlers zahlt der Staat mittlerweile bis zu 200 Euro. Gemeint ist die Asiatische Hornisse. Beschenkt wird, wer sie entdeckt und meldet, denn die neu zugewanderte Art kann ganze Bienenvölker vernichten.

Damit reiht sie sich ein in die charts der häufigsten invasiven gebietsfremden Arten (siehe unten). Gegen solche Tiere helfen weder Mauern à la Trump noch à la Ulbricht. Sie kommen aus fernen Regionen und fühlen sich bei uns zunehmend wohl. 

Am meisten mag ich den Halsbandsittich. 
Am meisten hasse ich bekanntermaßen die Nilgänse.

Säugetiere:

Waschbär (Procyon lotor):
Aus Nordamerika, anpassungsfähig, stark verbreitet in Städten und Wäldern.

Biberratte (Myocastor coypus):
Aus Südamerika, großer Sumpfbiber, schädigt Ufervegetation und Deiche.

Bisamratte (Ondatra zibethicus):
Aus Nordamerika, grabender Nagetier-Uferbewohner.

Vögel:
Nilgans (Alopochen aegyptiacus):
Aus Afrika, sehr territorial, verdrängt heimische Wasservögel.

Kanadagans (Branta canadensis):
Aus Nordamerika, große Park- und Wassergans.

Halsbandsittich (Psittacula krameri):
Aus Afrika und Asien, grüne Papageienart, die in Großstädten (z. B. Köln, Wiesbaden) brütet.

Insekten & Spinnentiere:
Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata):
Aus Nordamerika, bekannter landwirtschaftlicher Schädling.

Kastanienminiermotte (cameraria ohridella):
Aus Südosteuropa, schädigt Rosskastanienbäume.

Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus):
Aus Südostasien, überträgt als Vektor tropische Krankheiten.

Buchsbaumzünsler (cydalima perspectalis):
Aus Ostasien, Raupen vernichten heimische Buchsbäume.

Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus):
Aus Nordamerika, überträgt die für europäische Krebse tödliche Krebspest.

Highdelberg

 Der dicke Turm

So blickte Kurfürst Ludwig V., der 1544 starb, vom Dicken Turm auf sein Heidelberg. Und wir denken zurück an das Gespräch, das Luther 1518 mit ihm führte, bei dem es ihm allerdings nicht gelang, den Kurfürsten zum Religionswechsel zu bewegen.

„Weißt du“, sagte Ludwig V., „warum hier Frieden ist? Weil mein Dicker Turm so dick ist. So unangreifbar für alle Zeiten ist er ein Schutz für uns.“ Daraufhin zog sich Luther, etwas beleidigt, in die Altstadtgassen zurück und dichtete bei zwei Vierteln Pfälzer Wein das folgende schöne Lied:

1. Ein feste Burg ist unser Gott,
ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not,
die uns jetzt hat betroffen.
Der alt böse Feind mit Ernst
ers jetzt meint;
groß Macht und viel List
sein grausam Rüstung ist,
auf Erd ist nicht seinsgleichen.
2. Mit unsrer Macht ist nichts getan,
wir sind gar bald verloren;
es streit‘ für uns der rechte Mann,
den Gott hat selbst erkoren.
Fragst du, wer der ist?
Er heißt Jesus Christ,
der Herr Zebaoth,
und ist kein andrer Gott,
das Feld muss er behalten.
3. Und wenn die Welt voll Teufel wär,
und wollt uns gar verschlingen,
so fürchten wir uns nicht so sehr,
es soll uns doch gelingen.
Der Fürst dieser Welt,
wie saur er sich stellt,
tut er uns doch nicht;
das macht, er ist gericht‘:
Ein Wörtlein kann ihn fällen.
„Ich finde, das Lied passt gut in unsere Zeit“, soll Heinrich Heine 1834 gesagt und es in Anspielung auf die Französische Revolution als „Marseiller Hymne der Reformation“ bezeichnet haben.

Den Charakter einer Hymne hat das Lied für viele Evangelische jedenfalls bis heute.

Und noch ein kleines Geschenk für Heidelberg-Fans:

Ein KI-generierter Film über die Geschichte des Heidelberger Schlosses. Herrlich schmalzig und falsch, aber es macht Spaß, ihn anzuschauen. Die Werbereklame müssen Sie leider baldmöglichst überspringen. 

Zum YouTube-Video: www.youtube.com/watch?v=i_U5aRFMlHo

 Kein Schlafkurs

Erhöhen Sie Ihre Lebensenergie und fahren Sie mit unserem Kurs „Autogenes Training“ schwungvoll in den Herbst. Los geht’s am Dienstag, den 22. September, um 18:30 Uhr. 

Bitte kommen Sie vorher einmal kurz bei uns vorbei, um sich anzumelden. Anmeldung auch telefonisch unter 0175-2060123. 

Noch sind Plätze frei!

Medizyn

 Nicht mehr okay: cannabis

Noch nie wurde ein Medikament mit solcher Begeisterung von der SPD eingeführt wie cannabis– und dann mit gleicher Begeisterung am 30.7.2026 von der CDU wieder ruckartig und ohne Vorankündigung wieder abgeschafft. Alternativen gibt es nicht in gleicher Qualität. Das Medikament hat geholfen und jetzt müssen wir wieder auf die bekannten fünf Schmerzmittel zurückgreifen – mit den bekannten zum Teil gefährlichen Nebenwirkungen:

Paracetamol: 

Novalgin: 

Aspirin:

Ibuprofen:

Tramadol: 

Morphium:

Kann bei Überdosierung potenziell tödlich sein

Kann Blutbildveränderungen verursachen

Kann Asthmaanfälle und Magengeschwüre auslösen

Kann ebenfalls Magenprobleme und Asthma verursachen

Birgt ein Abhängigkeitspotenzial

Das stärkste Schmerzmittel, wird vor allem bei starken Tumorschmerzen eingesetzt

Was ist „okay“?

„Okay“ ist das wohl bekannteste Wort in allen Sprachen der Welt – mit völlig unklarer Herkunft. Das ist faszinierend und Etymologen beißen sich daran die Zähne aus. Es gibt mehrere Theorien:

  1. OK = „all correct“ – müsste eigentlich „Ac“ heißen.
  2. 1859 taucht „OK“ erstmals schriftlich auf: „proved a bill of sale from Hugh McGary to Gaspar Mansker for a negro man, which was OK“.
  3. Der deutsche General Wilhelm von Steuben zeichnete seine Schriftstücke mit „oll korrekt“ ab. Er schrieb sein Englisch ebenso, wie er es sprach.
  4. Deutsche Drucker in New York sollen fehlerfreie Druckplatten mit „OK“ für „ohne Korrektur“ abgezeichnet haben.

Das so plötzliche cannabis-Verbot ist jedenfalls nicht okay, nur können nichts dagegen machen.

English

Cartoons

Post Scriptum

 

Leseempfehlung für nach dem Urlaub

Das ist das beste Buch seit Jahren, das ich mit größtem Genuss gelesen habe: „Ihr glücklichen Augen“ von Elke Heidenreich. 

Und vor allen Dingen das beste „Aus dem Urlaub zurück!“-Buch: 

20 Einblicke, wie man Städte ganz ohne Reiseführer genießt und dabei die Welt mit anderen Augen sieht.

15 Hochöfen von Rheinhausen
Mein Zuhause sind übrigens die Hochöfen von Rheinhausen im Ruhrgebiet.

Zuhause

Zuhause das ist:
Ein unsichtbares Bild
Ein Zauberwort
Ein altes Lied
Ein Kinderwunsch
Der sich am Ende erst erfüllt

Zuhause das ist:
Sonntagsstaat und Alltagseinerlei
Das sind die langen Wiesen
Und die stillgelegten Zechentürme
Und die kleinen Kneipen
Und die grossen alten Bäume
Das ist Kindheit
Unverbraucht und sorgenfrei

Zuhause das ist:
Was man nicht sieht und doch in der Fremde spürt
Die Küchenwärme und die Jugendsünden
Tach zusammen
Und die Frage: na wie isset denn?
Heimweh das mich nach Hause führt
Und dann komm ich plötzlich um die Ecke
Bin Jahr für Jahr in alle Welt gereist
Und jemand sagt mit gutem Blick:
Nu ruh dich mal en bissken aus
Dann weiss ich was zu Hause heisst

Hanns Dieter Hüsch
(1925 – 2005)

Schlussgedanken

In der Frühe

Kein Schlaf noch kühlt das Auge mir,
Dort gehet schon der Tag herfür
An meinem Kammerfenster.

Es wühlet mein verstörter Sinn
Noch zwischen Zweifeln her und hin
Und schaffet Nachtgespenster.
– Angste, quäle
Dich nicht länger, meine Seele!
Freu dich! schon sind da und dorten
Morgenglocken wach geworden.

Eduard Mörike
(1804 – 1875)