1 O die roten Abendstunden!
Flimmernd schwankt am offenen Fenster
Weinlaub wirr ins Blau gewunden,
Drinnen nisten Angstgespenster.
2 Staub tanzt im Gestank der Gossen.
Klirrend stößt der Wind in Scheiben.
Einen Zug von wilden Rossen
Blitze grelle Wolken treiben.
3 Laut zerspringt der Weiherspiegel.
Möven schreien am Fensterrahmen.
Feuerreiter sprengt vom Hügel
Und zerschellt im Tann zu Flammen.
4 Kranke kreischen im Spitale.
Bläulich schwirrt der Nacht Gefieder.
Glitzernd braust mit einem Male
Regen auf die Dächer nieder.
Trakl, Georg (1887-1914)
Liebe Patientinnen und Patienten,
der Juli steht ganz im Zeichen des Sommers. Viele erwarten jetzt vor allem Sonne und warme Temperaturen. Tatsächlich ist der Juli jedoch der Monat mit den höchsten durchschnittlichen Niederschlagsmengen des Jahres. Nach Wetterumschwüngen können kräftige Gewitter und starke Regenschauer auftreten.
Passend dazu finden Sie in dieser Ausgabe ein Gedicht von Georg Trakl, in dem der Regen ebenfalls eine Rolle spielt. Und noch ein kleiner Ausblick: Der August zeigt sich häufig wieder freundlicher, während der September als der Monat mit den stabilsten Schönwetterlagen gilt (falls Sie Hochzeit oder Gartenfest planen).
Es grüßen Sie herzlich
Verena Jung, Christoph Jung, Dieter Jung und das gesamte Praxisteam
Seerosen im Neckar
Ein wunderschöner Anblick: Im Sommer schmücken leuchtend gelben Blüten die Uferbereiche rund um die Alte Brücke. Für Neckarschwimmer gilt jedoch: Vorsicht!
Wer in diesen Bereichen schwimmt, kann in große Gefahr geraten. Besonders beim Brustschwimmen können sich die langen Stängel und Wurzeln um die Beine legen. Gerät man in ein dichtes Pflanzenfeld, kann dies schnell zu Panik und lebensgefährlichen Situationen führen.
Deshalb gilt: Wer beim Schwimmen in Ufernähe auf Wasserpflanzen trifft, sollte sofort auf den Rücken wechseln und ruhig sowie mit flachen Bewegungen über die Pflanzen hinwegschwimmen. Nicht weiter im Brustschwimmstil schwimmen und keinesfalls hektische Bewegungen machen.
1. Und als die Nixe den Fischer gefaßt,
Da machte sie sich abseiten;
Sie schwamm hinaus mit lüsterner Hast,
Hinaus in die nächtlichen Weiten.
2. Sie schwamm in gewaltigen Kreisen herum,
Bald oben, bald tief am Grunde,
Sie wälzt mit dem Armen sich um und um
Und küßt ihm das Rot vom Munde.
3. Drei Tage hatte sie Zeitvertreib
Mit ihm in den Meeresweiten,
Am vierten ließ sie den toten Leib
Aus ihren Armen gleiten.
4. Da schoß sie empor an das sonnige Licht
Und schaute hinüber zum Lande;
Sie schminkte mit Purpur das weiße Gesicht
Und nahte sich singend dem Strande.
Keller, Gottfried (1819-1890)
Auf der Suche nach dem Glück
Am 4. Juli jährt sich die amerikanische Unabhängigkeits-erklärung zum 250. Mal. In ihr ist vom Recht auf „Life, Liberty and the Pursuit of Happiness“ die Rede – vom Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück. Bemerkenswert dabei: Ein Anspruch auf Glück selbst wird nicht formuliert. Erlaubt ist lediglich die Suche danach.
Schon Bertolt Brecht stellte nüchtern fest, dass der menschliche Geist wohl kaum für dauerhaftes Glück geschaffen ist. Und doch bleibt die Sehnsucht danach bestehen. Wir haben für Sie vier Gedichte ausgewählt, die sich diesem flüchtigen Zustand widmen – mit einer eher ernüchternden Bilanz.
Selbst bei Goethe, dem größten Ego- und Erotomanen, hinterlassen „Abschied“ und „Rettung“ beim Liebchen Schmerz und Tränen, und nur bei ihm Lust und Freude. Heine hingegen zeichnet das Glück als launische, kaum greifbare Erscheinung – als „leichte Dirne Glück“. Und das vierte Gedicht führt die Illusion schließlich auf ihren Kern zurück: „Nicht lange täuschte mich das Glück.“
1. Doch ach, schon mit der Morgensonne
Verengt der Abschied mir das Herz:
In deinen Küssen welche Wonne!
In deinem Auge welcher Schmerz!
2. Ich ging, du standst und sahst zur Erden
Und sahst mir nach mit nassem Blick:
Und doch, welch Glück, geliebt zu werden!
Und lieben, Götter, welch ein Glück!“
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832)
1. Mein Mädchen ward mir ungetreu,
Das machte mich zum Freudenhasser;
Da lief ich an ein fließend Wasser,
Das Wasser lief vor mir vorbei.
2. Da stand ich nun, verzweiflend, stumm;
Im Kopfe war mir’s wie betrunken,
Fast wär ich in den Strom gesunken,
Es ging die Welt mit mir herum.
3. Auf einmal hört ich was, das rief;
Ich wandte just dahin den Rücken;
Es war ein Stimmchen zum Entzücken:
„Nimm dich in Acht! der Fluß ist tief.“
4. Da lief mir was durch’s ganze Blut,
Ich seh‘, so ist’s ein liebes Mädchen;
Ich fragte sie: „Wie heißt du?“ – „Käthchen!“
„O schönes Käthchen! Du bist gut.
5. Du hältst vom Tode mich zurück,
Auf immer dank‘ ich dir mein Leben;
Allein das heißt mir wenig geben,
Nun sei auch meines Lebens Glück!
6. Und dann klagt‘ ich ihr meine Not,
Sie schlug die Augen lieblich nieder;
Ich küßte sie und sie mich wieder,
Und – vor der Hand – nichts mehr von Tod!
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832)
1. Das Glück ist eine leichte Dirne,
Und weilt nicht gern am selben Ort;
Sie streicht das Haar dir von der Stirne,
Und küßt dich rasch und flattert fort.
2. Frau Unglück hat im Gegenteile
Dich liebefest ans Herz gedrückt;
Sie sagt, sie habe keine Eile,
Setzt sich zu dir ans Bett und strickt.
Heine, Heinrich (1797-1856)
1. Nicht lange täuschte mich das Glück,
Das du mir zugelogen,
Dein Bild ist wie ein falscher Traum
Mir durch das Herz gezogen.
2. Der Morgen kam, die Sonne schien,
Der Nebel ist zerronnen;
Geendigt hatten wir schon längst,
Eh‘ wir noch kaum begonnen.
Heine, Heinrich (1797-1856)
Für die Nilgänse ist der Nachwuchs unbestreitbar ein Glückshöhepunkt
Für mich wäre es en Höhepunkt, wenn die Stadtängstlichen in Heidelberg das wagen würden, was die Schlossmutigen (Schlossverwaltung sitzt in Bruchsal) machen: Wenn auf dem Schloss mehr als zwei Vorzeige- und Quoten-Gänse sind, wird der Rest „entnommen“. Deswegen kann man noch barfuß über die grosse Wiese am Schloss laufen.
Und noch zwei Nachträge zum Thema Glück:
Mark Twain: „Geld alleine macht nicht glücklich… aber damit meinen wir das Geld der anderen!“
John Steinbeck: „Geld verdirbt den Charakter, das mag sein, aber keinesfalls macht ein Mangel an Geld ihn besser!“
Einen sehr ausführlichen Artikel über die Schlossfestspiele – deren 100-jähriges Jubiläum wir in diesem Jahr 2026 feiern – habe ich hier gefunden. Öffnen Sie ihn allerdings nur, wenn Sie genügend Zeit und Interesse mitbringen.
Dem Herrn mit dem schwarzen Regenschirm auf dem historischen Foto möchte man allerdings spontan zurufen: „Zuklappen! Die Menschen hinter Ihnen möchten auch noch etwas sehen!“
Übrigens: 1936 saß das Publikum noch in umgekehrter Richtung zur heutigen Anordnung.
Eine legitime Frage…
Wenn ein Heidelberger Freibad bereits am Eingangsportal mit der Skulptur eines nackten Mannes auf einem nackten Pferd wirbt, darf man dann zumindest auf einen halben Tag FKK-Schwimmen pro Woche hoffen?
Solange diese Skulptur dort ihren Platz hat, sollte diese Frage erlaubt sein – und vielleicht sogar eine Antwort verdienen.
…und die Antwort der Stadtwerke Heidelberg
Sehr geehrter Herr Dr. Jung,
eine interessante Schlussfolgerung, die man spaßeshalber noch ein wenig weitertreiben könnte: So könnte das Motiv am Eingangsbereich auch den Wunsch begründen, dass demnächst nackte Pferde einen halben Tag pro Woche im Thermalbad schwimmen können.
Falls Ihre Anfrage jedoch einen ernsten Kern hat: Es gibt zahlreiche Anforderungen für besondere Nutzungen unserer Bäder. Gleichzeitig sind Badezeiten und Badeflächen in unseren öffentlichen Bädern begrenzt. Unser Ziel ist es, möglichst vielen Menschen das Schwimmen zu ermöglichen. Deshalb bitten wir um Verständnis, dass wir auch diesem Sonderwunsch nicht nachkommen können.
Freundliche Grüße
Stadtwerke Heidelberg GmbH
Mehr über die Geschichte des Thermalbads zum Download:
Paracelsus, Ottheinrich und die richtige Dosis
„Ich schreibe nur kurze, knappe Rezepte. Ich will doch nicht, dass die Apotheker an mir auch noch eine goldene Nase verdienen!“
Mit diesem Ausspruch von Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim (1493–1541), der sich selbst Paracelsus nannte („mindestens so gut wie der römische Arzt Celsus“), tritt man wohl manchem Inhaber einer Paracelsus-Apotheke auf die Füße.
Wenn ich sehe, wie Patienten heute nicht selten mit einem Dutzend verschiedener Medikamente aus der Klinik entlassen werden, muss ich oft an diesen Satz denken. Ebenso faszinierend finde ich die Verbindung zwischen Paracelsus und unserem Kurfürsten Ottheinrich auf dem Heidelberger Schloss. Ottheinrich, dessen Motto „Mit der Zeit“ lautete, war für Astrologie und Alchemie außerordentlich aufgeschlossen.
Als er vom Tod des Paracelsus erfuhr, soll er umgehend einen Boten entsandt haben, um dessen rund 150 Bücher aufzukaufen und nach Heidelberg bringen zu lassen. Vielleicht hoffte er, darin den Stein der Weisen zu finden und damit seine beträchtlichen Schulden zu verringern.
Der bekannteste Satz von Paracelsus lautet: „Dosis facit venenum“ – die Dosis macht das Gift. Ob ein Stoff heilt oder schadet, hängt von seiner Menge ab. Interessanterweise war das damals gegen die grassierende Syphilis eingesetzte Quecksilber vermutlich beides zugleich: heilend in begrenztem Maße, aber durchaus auch gefährlich.Eine interessante sprachliche Spur führt ebenfalls zu Paracelsus. Da er häufig mit Quecksilberpräparaten arbeitete, wurde er von Gegnern verspottet. Daraus soll sich der Begriff „Quacksalber“ entwickelt haben – eine Bezeichnung für jemanden, der zweifelhafte oder wenig evidenzbasierte Medizin betreibt. Das Wort lebt bis heute fort: Im Englischen nennt man einen schlecht beleumundeten Arzt schlicht einen „quack“.
Die enge Beziehung zwischen Paracelsus und Ottheinrich habe ich dem lesenswerten Buch Der Himmelsstürmer entnommen.
Keine Lust, vorzeitig zu rosten, so wie dieser Raucher?
Dann sagen Sie jetzt der Nikotinsucht den Kampf an! Mit unserer Raucherentwöhnung unterstützen wir Sie dabei, dauerhaft rauchfrei zu werden.
Atmen Sie wieder tief durch, gewinnen Sie Lebensqualität zurück und senken Sie Ihr Risiko für schwere Herz-, Lungen- und Gefäßerkrankungen.
Small in Size, Big in Legend
Who was Perkeo, the tiny man with an outsized reputation who still captures Heidelberg’s heart today? As the Elector’s court dwarf, he became a local legend—not just for his astonishing thirst, but for his quick wit and infectious love of life.
Thanks to poet Joseph Victor von Scheffel, Perkeo’s story lives on, blending history with a wink of humor. Step into his world and you’ll discover more than just a figure from the past – you’ll find a spirited slice of Heidelberg, full of wine, laughter, and unmistakable joie de vivre.
1. There once was dwarf Perkeo,
At Heidelberg Castle so grand to show.
Though tiny was his frame and height,
His thirst was vast from morn till night.
2. Some called him but a fool in sight,
Yet he would say, „My friends, you might
Be happier, if all like me,
Stayed merry, wise — and drank with glee!“
3. Old Heidelberg, dear city
With honors crowned and rare
O’er Rhine and Neckar rising
None can with thee compare
4. City of merry fellows
With wisdom lad’n and wine;
Clear flow the rivers wavelets
Where blue eyes flash and shine
5. When Spring from Southlands milde
Comes over field and town,
She weaves for thee of blossoms
A shimmering bridal gown.
6. Oh my heart, too, thy image
Is given like a bride,
In thy dear name the accents
Of youthful love abide.
7. And if with thorns I’m pierced
And all the world seens stale
I’ll give my horse the spurs then
And ride to Neckar vale.
Deutschland. Ein Wintermärchen
„Franzosen und Russen gehört das Land,
Das Meer gehört den Briten,
Wir aber besitzen im Luftreich des Traums
Die Herrschaft unbestritten.“
Heine, Heinrich (1797-1856)
1. »Nehmt hin die Welt!« rief Zeus von seinen Höhen
Den Menschen zu. »Nehmt, sie soll euer sein!
Euch schenk ich sie zum Erb und ewgen Lehen –
Doch teilt euch brüderlich darein!«
2. Da eilt‘, was Hände hat, sich einzurichten,
Es regte sich geschäftig jung und alt.
Der Ackermann griff nach des Feldes Früchten,
Der Junker birschte durch den Wald.
3. Der Kaufmann nimmt, was seine Speicher fassen,
Der Abt wählt sich den edeln Firnewein,
Der König sperrt die Brücken und die Straßen
Und sprach: »Der Zehente ist mein.«
4. Ganz spät, nachdem die Teilung längst geschehen,
Naht der Poet, er kam aus weiter Fern –
Ach! da war überall nichts mehr zu sehen,
Und alles hatte seinen Herrn!
5. »Weh mir! So soll denn ich allein von allen
Vergessen sein, ich, dein getreuster Sohn?«
So ließ er laut der Klage Ruf erschallen
Und warf sich hin vor Jovis Thron.
6. »Wenn du im Land der Träume dich verweilet«,
Versetzt der Gott, »so hadre nicht mit mir.
Wo warst du denn, als man die Welt geteilet?«
»Ich war«, sprach der Poet, »bei dir.«
7. Mein Auge hing an deinem Angesichte,
An deines Himmels Harmonie mein Ohr –
Verzeih dem Geiste, der, von deinem Lichte
Berauscht, das Irdische verlor!«
8. »Was tun?« spricht Zeus, »die Welt ist weggegeben,
Der Herbst, die Jagd, der Markt ist nicht mehr mein.
Willst du in meinem Himmel mit mir leben –
So oft du kommst, er soll dir offen sein.«
Schiller, Friedrich (1759-1805)
Vorsicht vor diesem kleinen Vampir!
Sie will Ihr Blut – wir wollen, dass Sie sich impfen lassen!
Die Zeckenschutzimpfung erhalten Sie bei uns jederzeit ohne Termin und ohne Wartezeit.
Useless Knowledge (meine Lieblingsrubrik)
Hier eine Frage, auf die KI eine Antwort gefunden hat, während Mathematiker lange darüber rätselten, ob sich die zugrunde liegende Vermutung überhaupt beweisen lässt.
Wie kann man eine Anzahl von (n) Punkten in einer Ebene so anordnen, dass möglichst viele Punktpaare genau den Abstand 1 voneinander haben?
Ein Beispiel: Sei (n = 9). Reiht man die neun Punkte in einer Linie auf, erhält man acht solche Paare. Ordnet man sie dagegen in einem Gitter von drei mal drei Punkten an, gibt es bereits zwölf Paare mit dem Abstand 1.
Schon lange gibt es die Vermutung, dass gitterartige Anordnungen auch für beliebig große Punktmengen besonders günstig sind. Der mathematische Beweis fehlte jedoch. Daran gröbelte selbst Erdős unermödlich heröm – aber die KI fand offenbar den Beweis! Ab hier wird die Mathematik allerdings so monströs, dass ich aufhöre mitzudenken und nur noch glaube.